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Nachhaltigkeit in der Urologie: Grosser Wille, kaum Umsetzung

Marlene Thöne, Bernd Wullich, Anna Heinrichs, Carolin Siech, Christian Eggersmann, Mareike Ahlers

Eine DGU-Mitgliederbefragung zeigt: Nachhaltigkeit gilt als wichtig, wird im Klinik- und Praxisalltag aber kaum gelebt

Der Klimawandel gefährdet die Gesundheit. Gleichzeitig erzeugt die Gesundheitsversorgung selbst erhebliche Emissionen. Bisher fehlten belastbare Zahlen dazu, wie deutsche Urologinnen und Urologen zu diesem Thema stehen. Marlene Thöne, Bernd Wullich, Anna Heinrichs, Carolin Siech, Christian Eggersmann und Mareike Ahlers haben dazu 339 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) befragt. Ihr Beitrag in der Fachzeitschrift "Die Urologie" zeigt: Nachhaltigkeit wird als relevant erachtet, die praktische Umsetzung bleibt jedoch weit dahinter zurück. Es besteht aber eine hohe Bereitschaft, sich zu engagieren.

Nachhaltigkeit in der Urologie: Anspruch, Realität und Handlungsbedarf

83 % der Befragten stufen Nachhaltigkeit persönlich als wichtig ein, 70 % sehen einen hohen Stellenwert für die Urologie insgesamt. Die wahrgenommene Umsetzung im eigenen Arbeitsumfeld liegt jedoch bei nur 12 %. Besonders gross ist die Lücke an Universitätskliniken: Dort berichten 92 % einen hohen persönlichen Stellenwert, aber nur 8 % erlebte Umsetzung.

Am häufigsten werden Einzelmassnahmen wie Digitalisierung zur Ressourcenschonung, Abfallvermeidung und Energieeinsparung genannt. Strategisch-übergreifende Schritte wie die Verankerung in Leitbildern, klare Zuständigkeiten oder strukturierte Schulungen sind deutlich seltener. Weniger als ein Viertel der Einrichtungen verfügt über eine klar definierte organisatorische Struktur für das Thema, meist in Form einer Arbeitsgruppe.

Über die Hälfte der Befragten nennt eine geringe Priorisierung im Arbeitsalltag, Unklarheit über die tatsächlichen ökologischen Effekte einzelner Massnahmen sowie fehlendes Personal und Budget als zentrale Hindernisse. In Praxen dominiert der Personalmangel, in Kliniken und Universitätskliniken eher die geringe Priorisierung und die Unklarheit über die Wirkung von Massnahmen.

Fast alle Befragten erwarten Unterstützung durch die DGU: gewünscht werden vor allem klare Standards und Empfehlungen, praxisnahe Best-Practice-Beispiele, wissenschaftliche Evidenz zu Nachhaltigkeitsmassnahmen sowie Fort- und Weiterbildungsangebote. Die Fachgesellschaft wird damit weniger als moralische Instanz gefordert, sondern als strategischer Partner für die Umsetzung.

Wie Institutionen im Gesundheitswesen Nachhaltigkeit von der Absicht zur Umsetzung bringen

Priorisieren Sie Nachhaltigkeit aktiv im Arbeitsalltag. Ohne klare Priorisierung durch die Leitung bleibt das vorhandene Bewusstsein wirkungslos. Machen Sie Nachhaltigkeit zu einem festen Bestandteil operativer Entscheidungen.
Schaffen Sie klare Zuständigkeiten und strukturelle Verankerung. Eine benannte Stelle, Person oder Arbeitsgruppe ist die Voraussetzung dafür, dass aus Einzelmassnahmen eine kohärente Strategie wird.
Gestalten Sie Unterstützungsangebote institutionsspezifisch. Praxen und Kliniken unterscheiden sich deutlich in Ressourcen, Barrieren und bereits umgesetzten Massnahmen. One-size-fits-all-Ansätze greifen zu kurz.
Schaffen Sie Klarheit über die ökologische Wirkung einzelner Massnahmen. Unklarheit über den tatsächlichen Effekt hemmt Engagement. Transparenz und Evidenz erleichtern fundierte Entscheidungen.
Nutzen Sie die hohe Veränderungsbereitschaft. 96 % der Befragten wünschen sich Unterstützung. Dieses Potenzial sollte durch Fachgesellschaften, Industrie, Politik und Forschung aktiv aufgegriffen werden, bevor es verpufft.

Publikationsdetails

Nachhaltigkeit in der Urologie: Vom Anspruch zur Umsetzung. Ergebnisse einer Mitgliederbefragung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Marlene Thöne, Bernd Wullich, Anna Heinrichs, Carolin Siech, Christian Eggersmann, Mareike Ahlers
Erschienen in: Die Urologie (2026), Springer Medizin, Open Access
DOI: 10.1007/s00120-026-02906-4Zum kompletten Artikel im PDF-Format
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